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Michael McManus aus Fermanagh hielt am 15. Juni die Rede bei der Wolfe-Tone-Gedenkstunde von Republican Sinn Féin in Bodenstown, County Kildare. Zahlreiche Republikaner und Musikkapellen zogen von Sallins zum Grab des Gründers des irischen Republikanismus, der 1798 starb. In seiner Ansprache erklärte McManus: |
Michael McManus aus Fermanagh hielt am 15. Juni die Rede bei der Wolfe-Tone-Gedenkstunde von Republican Sinn Féin in Bodenstown, County Kildare. Zahlreiche Republikaner und Musikkapellen zogen von Sallins zum Grab des Gründers des irischen Republikanismus, der 1798 starb. In seiner Ansprache erklärte McManus:
"Es wird nicht einmal zu Lebzeiten der jüngsten Anwesenden
hier im Saal ein freies Irland geben". Starke Worte. Ausgesprochen
wurden sie von Tony Blair nur zwei Wochen nach seinem Erfolg bei
den britischen Wahlen während eines Kurzbesuchs in Belfast.
Tony Blair hat keine Zeit verloren, die britische Politik in der
irischen Frage zu definieren. Und täuscht Euch nicht - das
war eine politische Erklärung. Die britische Regierung hat
eine Markierung gezogen, und entlang dieser Linie wird die Politik
der nächsten fünf Jahre diktiert werden.
Wenn wir die Bedeutung dieser Erklärung analysieren, können
wir daraus nur den Schluß ziehen, daß die britische
Politik und in weiterer Folge die britische Besetzung unbegrenzt
oder zumindest bis zum Jahr 2085 unverändert bleiben soll.
Die britische Politik in Irland ist um das zentriert, was sich
"Interne Sechs-County-Lösung" nennt. Ziel dieser
Politik ist es, die nationalistische Bevölkerung der sechs
nordöstlichen Counties dem Willen von "Mutter England"
zu unterwerfen. Akzeptiert die Englische Krone, und sie wird uns
die so oft hinausposaunte "Gleichstellung in der Achtung"
gewähren. Werdet gute, ruhige britische Untertanen, und haltet
die Köpfe gesenkt.
In der Blair-Rede war zugleich impliziert, daß die Alternative
mehr Repression ist - die Schaftstiefeltaktik der britischen Armee
und der RUC, Todesschwadronen der britischen Loyalisten, die nach
Belieben durch die Straßen toben, gekoppelt mit all dem
Beiwerk eines modernen Polizeistaats der gewährleistet, daß
wir alle den Wünschen unsere "Kolonialherren" gehorchen.
Wir können daraus die Schlußfolgerung ziehen, daß
das mehr getötete und verstümmelte irische Bürgerinnen
und Bürger durch die Shoot-to-kill-Taktik der britischen
Kriegsmaschinerie zur Folge haben wird. Mehr Drumcrees, mehr Harryvilles,
in der primitivsten Form ausgedrückt, "Croppies lie
down" ("Croppy" ist ein Schimpfwort, das seit
dem 17. Jahrhhundert für Katholiken und Nationalisten gebraucht
wird. Croppies lie down, also etwa "Zu Boden mit Euch"
ist ein Kampflied der Orangisten - der Übers.)
Man sagt uns: "Gebt alle Hoffnung auf".
In den frühen Jahren dieses Jahrhunderts gab es eine Ära,
in der alle Opfer und Leiden des irischen Volkes im Kampf um seine
Freiheit umsonst schienen. Die Lage schien hoffnungslos, und so
wie die Fenier, die heldenhaft gefochten und gelitten hatten,
einer nach dem anderen starben, so schien auch das Streben nach
nationaler Einheit zu verschwinden. Nach dem Tode John O´Learys
im September 1913 und im Gedenken an die heroischen, aber gescheiterten
Versuche der Männer und Frauen, die seit 1798 versucht hatten,
dieses Ziel zu erreichen, schrieb der Dichter die folgenden Zeilen:
"Haben dafür die Wildgänse bei jeder Flut
ihre grauen Schwingen ausgebreitet, wurde dafür all das viele
Blut vergossen?" ("Wildgänse" war
die Bezeichnung der katholischen Truppen, die nach 1692 Irland
verlassen mußten - Anm. d. Übers.)
Jüngste Erklärungen unserer einstigen Genossen aus der
Provo-Führung, mitgerissen von scheinbaren Wahlerfolgen,
schlagen die Akzeptierung der neuen britischen Politik vor. Während
sie dem Konstutionalismus entgegeneilen, haben sie ihre ehemalige
Ideologie in einem bemerkenswerten Ausmaß aufgegeben. Verschwunden
ist die zentrale Forderung, die 25 Jahre des Kampfes begründet
hat, die ihre Grundlage war - nämlich die nach dem Rückzug
der britischen Armee und dem Ende des britischen Einflusses auf
dieser Insel - einem vollständigen Rückzug. Stattdessen
hören wir, daß man "den Friedensprozeß vorantreiben
muß", vom "Respekt vor unserem Mandat" und
"Allparteien-Gesprächen". Aber nie: Britischer
Rückzug - daß, was ich immer für das einzige gehalten
habe, worüber Republikaner mit den Briten verhandeln sollten.
Fünfundzwanzig Jahre des Kampfes und der Opfer für Allparteien-Gespräche?
All die Toten und Verwundeten dafür, daß der Belfaster
Stadtrat einen nicht-unionistischen Bürgermeister wählt?
Sind die Hungerstreiker dafür gestorben, daß Provos
zu Stadträten gewählt werden können? Haben wir
die schlimmsten Exzesse der britischen Armee, der RUC und der
loyalistischen Todesschwadronen dafür ertragen, daß
zwei ehemalige Republikaner nach Westminster entsandt werden?
"Wurde dafür all das viele Blut vergossen?"
Es gibt noch andere Fragen, die ich den neuen - oder besser -
den sehr Ehrenwerten Unterhausabgeordneten für Belfast und
Mid-Ulster stellen möchte. Habt ihr die Güte, euch zur
jüngsten Entführung aufrechter Republikaner in West
Belfast (einem von Gerrys Wahlkreisen) zu äußern, über
die die Irish News am 22. Mai berichtet haben? Stimmt ihr dieser
Broy-Harrier-Taktik zur Durchsetzung einer von den Briten initiierten
"internen Lösung" zu? Seid ihr für die Unterdrückung
echter Republikaner, die den 26-County-Staat und die andaurnde
Besetzung der sechs Counties ablehnen? Gerry, denk´ über
die vergangenen 25 Jahre nach - oder besser, die letzten 200 -
und frage dich selbst: "Wurde dafür all das viele
Blut vergossen?"
Dennoch können wir versichert sein, daß trotz des Revisionismus
so vieler ehemaliger Revolutionäre ein Korps von Freiwilligen
besteht, das loyal zur Republik steht und bereit und fähig
ist, den Kampf unter der Führung des Continuity Army Council
zu führen.
Und es gibt jene, die sich heute hier versammelt haben, um Tone
und der Männern und Frauen von ´98 zu gedenken, ihre
Ideale eines Volkes und einer Nation zu ehren, die
niemals ihre noblen Gefühle verleugnen oder entehren, die
sich nie erschüttern lassen und immer und immer wieder erklären
werden, daß Britannien kein Recht auf dieses Land hat, und
nie ein Recht darauf haben wird.
In Leinster Haus hat jetzt Zick Zack abgelöst. Nichts hat
sich wirklich geändert. Die neue Freistaats-Regierung ist
der gleichen Politik verpflichtet wie die vorherige - der Anerkennung
der britschen Besetzung eines Teils unseres Landes.
Der 26-County-Staat wurde in London entworfen, mit der Hilfe britischer
Kanonen geschaffen und von einem englischen Henker aufrechterhalten.
Die ursprünglichen Freistaatler wateten durch das Blut irischer
Patrioten, um ihre Ziele zu erreichen und einen britischer Klienten-Staat
zu schaffen Kollaborateure sind üblicherweise brutaler als
ihre imperialen Herrscher, und in dieser Hinsicht bildeten die
Freistaatler keine Ausnahme.
Was uns Republikaner wirklich krank macht ist das Spektakel dieser
selben Leinster-House-Parteien, die Jahr für Jahr zu diesem
Friedhof pilgern und vorgeben, Wolfe Tone und den Männern
und Frauen von ´98 ihre Reverenz zu erweisen.
Pádraig Pearse sagte in seinem Dokument "Die separatistische
Tradition", das im "Wolfe Tone Jahrbuch" 1961
nachgedruckt ist: "Wenn Tone sagt: Zerreißt das
Band mit England, und ich sage: Haltet das Band mit England aufrecht
- dann predige ich ein wesentlich vernünftigeres (im Sinne
von wesentlich gesünderes) Evangelium - aber es ist offensichtlich
nicht das selbe."
Anhängerschaft zur Republik, separatistische Ideologie ist
etwas spezifisches, da kann es keine Schwankungen geben. Entweder
akzeptiert man Tones Philosophie in ihrer Gesamtheit, oder man
weist sie zurück. Daher ist die Anwesenheit von allen Freistaats-Parteien
auf diesem Friedhof ein Versuch, die Ideologie der Männer
und Frauen von ´98 zu verfälschen. Sie sollten hier
fernbleiben. Ebenso sollte jeder, der einen Sitz im Leinster House
einnimmt und bereit ist, den Treueeid abzulegen und damit das
Teilungsparlament dieses Klientenstaates anerkennt, den Namen
Sinn Féin ablegen. Es ist ein zynischer Mißbrauch
des Namens von Sinn Féin, und er sollte daher im Leinster
House nicht verwendet werden.
Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, Grüße an
alle politischen Gefangenen zu richten und ihnen unsere Solidarität
auszusprechen, vor allem an jene, die der Republik treu ergeben
geblieben sind. Unsere Gedanken sind besonders bei Josephine Hayden,
der einzigen weiblichen politischen Gefangegen im Freistaat. Josephine
befindet sich im Gefängnis von Limerick und hat ernsthafte
Herzprobleme, die dringende medizinische Behandlung erfordern.
Trotz ihres ernsten Zustandes wurde sie ins Gefängnis zurückgebracht,
in Bedingungen, die einer Genesung nicht förderlich sind.
Wir verlangen heute hier die sofortige und bedingungslose Freilassung
von Josephine Hayden aus humanitären Gründen. Das POW-Department
von Republican Sinn Féin hat in diesem Sinn eine nationale
Kampagne begonnen, die unsere volle Unterstützung verdient.
Es wäre eine grobe Unterlassung, würde ich diesen Platz
verlassen ohne daran zu erinnern, daß das irische Volk vor
150 Jahren eine der schrecklichsten Katastrophen durchlebte, die
ein Volk erleben kann. Das Schwarze Jahr 1847 und die schrecklichen
Bilder von Hunger, Seuchen und Tod. Vertreibungen, Sargschiffe,
das Arbeitshaus - das war das Schicksal der Besitzlosen. Über
eine Million starb, wieviele emigrierten und wie viele von diesen
Auswanderern während der Überfahrt über den Atlantik
oder in der Neuen Welt verschwanden, werden wir niemals genau
erfahren. Wir alle wissen um die Hungersnot und den Fluch, den
sie bedeutete, Und wir wissen auch von den mit Korn und Weizen
beladenen Schiffen, die jeden Tag irische Häfen Richtung
England verließen, während die Menschen, die dieses
Korn angebaut hatten, in den Straßen, auf den Wegen und
den Mooren verhungerten.
Das war das schlimmste der zahllosen Verrbechen, die den Iren
angetan worden ist - trotz aller Versuche von "revisionistischer"
und apologetischer Seite, die Geschichte des "Großen
Hungers" umzuschreiben. Sogar Tony Blair (Irish Times
vom 6. Juni 1997) hat begonnen, die britische Schuld anzuerkennen,
wenn er die Hungersnot als "einen entscheidenden Punkt der
irischen Geschichte" bezeichnet und einen großen Teil
dieser Tragödie der britischen "Nachlässigkeit"
anlastet.
Trotzdem hat es die Freistaats-Regierung 75 Jahre lang verabsäumt,
die Iren über die furchtbarsten Aspekte der Hungernot aufzuklären.
Nicht ein Denkmal wurde von einer staatlichen Stelle zum Gedenken
an die eine Million Toten errichtet. Wir dürfen unsere unschuldigen
Toten nicht vergessen, wir sind verpflichtet, ihr Andenken und
ihre Leiden zu ehren, nicht nur in Worten, sondern auch in Stein.
Darum rufen wir das irische Volk auf, würdige Monumente für
die Opfer der Hungersnot zu errichten, die in den kommenden Jahrzehten
und Jahrhunderten an sie erinnern sollen. Das ist das wenigste,
was sie verdienen.
Der Freistaat ist in seiner Gesamtheit gescheitert. Er ist furchtbar
daran gescheitert, die tiefgehenden ökonomischen Divergenzen
in diesem Land zu überwinden, die inmitten eines sogenannten
"Booms" einer kleinen Schicht gewaltigen Reichtum zugestehen,
während 34 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenz leben.
Ist das die Interpretation des Satzes "die Kinder in Gleichheit
großwerden lassen" durch den Freistaat?
Er ist dabei gescheitert, dem schleichenden Imperialismus eines
neuen europäischen Superstaates Widerstand entgegenzusetzen,
der dieses Land in eine politische, militärische und Währungsunion
zwingen will, die nur zum Schaden des irischen Volks sein kann
und die mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft
werden muß.
Er ist dabei gescheitert, dem britischen Staat gegenüber
das nationale Selbstbestimmungsrecht des irischen Volkes zu verteidigen
oder sogar bloß den Nationalisten im Norden die grundlegenden
bürgerlichen Rechte und Freiheiten zuzugestehen.
Zum Schluß möchte ich Euch an Tones Aufruf an die Männer
und Frauen von ´98 erinnern, "niemals aufzugeben, solange
das Band zu England zerrissen worden ist". Für diesen
Ruf und dieses Ideal haben die irischen Männer und Frauen
die letzten 200 Jahre gekämpft. In den vergangenen 200 Jahren
haben die Iren einen hohen Preis bezahlt - an Leben und Freiheit.
Sie haben gekämpft, sie haben geduldet - und sie wurden verraten.
Sie wurden unterdrückt - aber sie haben sich immer wieder
erhoben, Generation um Generation. Das Schwert, der Henker und
der Meuchelmörder, die Werkzeuge der Tyrannen haben versagt,
den Durst nach Freiheit zu unterdrücken. Wir verlangen Freiheit
- jetzt.
Die Freiheit ist unvermeidlich, und wir - wir sind entschlossen.
Wir werden das Band zerreißen!